Graf Fidi – Grafische Darstellung

Marco | September 22nd, 2009 - 14:00

Graf Fidi – „Grafische Darstellung“ (2009)

“Der rollende Rapper hat wieder zugeschlagen. Graf Fidi, das Berliner Kindl mit dem frechen Mundwerk, hat nach einer kreativen Atempause eine neue Platte gebastelt um sein Comeback einzuläuten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Grafische Darstellung“ ist ein mit lyrischem Fingerspitzenge­fühl geschriebenes und sauber durchproduziertes Hiphop-Album erster Güteklasse geworden. „Der Graf ist back!“ springt er dem Hörer entgegen, als ob nichts gewesen wäre. Der Graf ist zurück? Das war aber auch höchste Zeit.

Graf Fidi, seinem Postboten besser bekannt als Fidi Baum, hatte erst gezögert, ob er dem dreckigen Rap-Business nicht endgültig den Rücken kehren sollte. Zu viele MCs rannten für seinen Geschmack durch den Großstadtdschungel und warfen acht­los mit Diss-Texten um sich, zu wenige davon schienen mit deutscher Sprache noch richtig umgehen zu wollen oder gar rocken zu können – „Hallo HipHop“ erzählt von einem misshandelten Sprechgesang, der kräftig durch den Schmutz ge­zogen wurde.

Frisch gestärkt meldet sich Graf Fidi nun zurück und demonstriert, wie er in altbekannt frecher Manier alle Themenkomplexe rund um seinen Le­bensweg durchdeklinieren kann. Mit viel Wortwitz und Sprachgespür textet er sich dabei entlang der 18 Stücke auf knackigen Beats von Querformat und anderen Mischmeistern. Dabei überzeugt Fidi auf „Grafische Darstellung“ vor allem durch seine Fähigkeit, sich auf verschiedensten musikalischen Ebenen zu bewegen: Vom Party-Klopper „Frage den Graf“ über nachdenkliche Stücke von Vater und Sohn oder den zehn Geboten bis hin zum ab­surd-komischen Szenario von seinem Lebensende in „Der letzte Tag“ ist alles vertreten. Statt sich auf eine einzige Liedsorte zu reduzieren und diese von allen Seiten zu beleuchten, demonstriert Fidi hier seine lyrische und sängerische Vielseitigkeit.

Dabei versäumt er es nicht, wie schon 2004 mit „Alle Jahre wieder“ auch sein Handicap auf über­spitzte Weise in die Texte mit einzubeziehen. Sein Rollstuhl, der etwas wackelige Gang, sein rechter Finger – alles sei in Wirklichkeit nur gespielt um sich selbst und seinen Freunden einen fetten Bo­nus zu verschaffen. Wie in „Verarscht“ legt er auch in „Ihr seid behindert“ mit Benson Zwoe dar, dass ein Gehandicapter in Deutschland äußerst kom­fortabel leben kann.

Graf Fidi ist ein Solokünstler, sein Ehrgeiz und sein Engagement beweisen dies. Doch auch die paral­lel laufenden Projekte „Das Team“ mit Boga One und die „Spassticker“ mit Kenobi deuten an, dass aus Berlin-Wilmersdorf zukünftig noch reichlich Anlass zum Kopfnicken gegeben wird. Wenn Hi­phop also wirklich schlapp gemacht haben sollte, dann hat Fidi mit „Grafische Darstellung“ einen fri­schen Energydrink gebraut und ist uns auf seinem Rollstuhl schon mal vier Takte vorausgeeilt.”

Text: Johannes Schmitt-Tegge
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